AIDS und HIV-Infektion - Verlauf
Die Prognose der HIV-Infektion und des AIDS ist in den letzten Jahren durch die Einführung immer neuer Medikamente mit verschiedenen Wirkmechanismen erheblich verbessert worden. Die Sterblichkeit hat im Vergleich zu früher deutlich abgenommen. HIV-Infektion und AIDS sind im Begriff, eine chronische Erkrankung zu werden. Sie sind es jedoch noch nicht; vor übertriebenen Hoffnungen oder gar vor Entwarnung muss deshalb nachdrücklich gewarnt werden: auch heutzutage führt eine HIV-Infektion zu AIDS und AIDS zum Tode! Umgang mit erwachsenen HIV-Infizierten Aus der Tatsache, dass eine Infektion nur über Blut, Sperma und Vaginalsekret und nicht z.B. über eine Tröpfcheninfektion erfolgt, ergeben sich bereits die meisten Verhaltensweisen im Umgang mit einem infizierten Menschen: Jeder alltägliche soziale Kontakt im Beruf und Privatleben mit Händereichen, Umarmen usw. ist völlig unbedenklich. Auch das gemeinsame Benutzen von Besteck, Geschirr, Gläsern, Toiletten, Handtüchern u.ä. ist unbedenklich. Es gibt keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko für Menschen, die mit einer infizierten Person im selben Haushalt leben. Dabei sollten natürlich gewisse Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden und z.B. keine gemeinsame Zahnbürste benutzt werden, da hier über kleinere Verletzungen beim Zähneputzen ein Restrisiko vorhanden sein kann. Risikoreich sind dagegen intime Beziehungen - gleichgültig ob hetero- oder homosexuelle. Die deutschen AIDS-Hilfen haben in den vergangenen Jahren wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet, u.a. dadurch, dass sie eine eindeutige, unverklemmte Sprache benutzt haben, die jeder verstehen kann. Grundlage eines effektiven Schutzes vor einer HIV-Infektion ist die konsequente Anwendung von safer sex. Aufforderungen wie "lebe enthaltsam" oder "sei immer treu" gehen an der Lebenswirklichkeit vorbei. Safer Sex - Kondome schützenDie Grundregel von safer sex ist ganz einfach: keine der infektiösen Flüssigkeiten Blut, Sperma oder Vaginalsekret darf auf Schleimhäute oder verletzte/erkrankte Haut gelangen. Beim Anal- oder Vaginalverkehr müssen also Kondome benutzt werden. Sowohl für den aktiven als auch für den passiven Partner besteht hier ohne Kondom ein großes Infektionsrisiko, da immer kleine Verletzungen entstehen. Beim Oralverkehr ist wichtig, dass kein Sperma oder Vaginalsekret auf die Mundschleimhaut, Zunge oder Lippen gelangt. Küssen ist ungefährlich, da es sich bei HIV nicht um eine Tröpfcheninfektion handelt (anders als bei Hepatitis B); allerdings dürfen hierbei keine blutenden Wunden vorhanden sein oder entstehen. Es ist ein Vorurteil, dass safer sex keinen Spaß macht! Mit safer sex kann man lustvoll seine Sexualität leben und hat gleichzeitig große Chancen, nach einem langen und erfüllten Leben eines natürlichen Todes zu sterben. Sicherlich braucht man eine gewisse Einübungszeit, aber die hat ja jeder und keiner muss sich schämen, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt. Unter Beachtung dieser Vorsichtsmaßnahmen ist ein Zusammenleben unbedenklich. Es gibt viele Beispiele von Paaren, die seit Jahren zusammenleben, bei denen ein Partner HIV-positiv ist und der andere Partner nicht infiziert wurde. Jede Ausgrenzung von HIV-Infizierten ist daher nicht nur dumm und unmenschlich, sondern entbehrt darüber hinaus jeder wissenschaftlich-rationalen Grundlage. Umgang mit HIV-infizierten KindernKleine Kinder pflegen normalerweise miteinander zu raufen, sich zu kratzen, zu schlagen oder zu beißen. Das ist ein Teil ihrer Entwicklung und kaum mit Argumenten zu unterbinden. Trotzdem ist ein infiziertes Kind in diesem Alter für andere Kinder keine Gefahr. Weltweit hat es durch "raufende" Kinder keinen dokumentierten Fall einer Übertragung gegeben. Eine Meldung der Infektion an die Erzieher zum Schutz der anderen Kinder ist nicht vorgeschrieben und auch nicht notwendig. Zum Schutz des infizierten Kindes ist eine Information der Erzieher über die HIV Infektion eventuell sinnvoll, um z.B. bei einem Masernfall im Kindergarten das Kind zu Hause zu lassen. Eine offene Wunde sollte sowieso, auch wegen anderer Viruserkrankungen, immer von Erziehern mit der gebotenen Vorsicht behandelt werden. Schwangerschaft und AIDSÜberblick: Noch vor einigen Jahren wurde bei einer HIV-infizierten Schwangeren aus medizinischer Sicht zur Unterbrechung der Schwangerschaft geraten. Das Risiko einer Ansteckung für das Kind war unkalkulierbar hoch (bis 30 %). Inzwischen kann mit wirksamen Maßnahmen (Transmissionsprophylaxe mit ART während der Schwangerschaft, primärer Kaiserschnitt am wehenfreien Uterus sowie vorübergehende antiretrovirale Medikation der Kinder nach dem Kaiserschnitt) die HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind auf unter 2 % gesenkt werden. Außerdem haben sich durch die zunehmende Lebenserwartung der HIV-Infizierten ehemals verloren geglaubte Lebensperspektiven, wie beispielsweise die Zeugung eines Kindes, wieder eröffnet. Mit der virusfreien Aufbereitung des männlichen Samens und den Methoden der künstlichen Befruchtung droht inzwischen auch keine Ansteckung des HIV-negativen Partners während der Zeugung. Medizinisches: Die Einleitung einer Schwangerschaft bei Paaren mit unterschiedlichem HIV-Status - d.h., es ist nur ein Partner infiziert - ist mit speziellen medizinischen Maßnahmen verbunden, die dem Infektionsschutz des nicht infizierten Partners und der Vermeidung einer HIV-Übertragung auf das Kind dienen. Inzwischen gibt es mehrere Zentren in Deutschland, die sich auf dieses besondere Gebiet der Reproduktionsmedizin spezialisiert haben. Je nach Infektionskonstellation sind folgende Maßnahmen üblich: Mann HIV positiv, Frau HIV negativ Das HI-Virus ist besonders hoch konzentriert in der Samenflüssigkeit vorhanden und haftet an abgestorbenen Samenzellen an; befruchtungsfähige Spermien kommen als Virusträger aber nicht in Betracht. Deshalb ist das Ziel, diese von den übrigen Spermabestandteilen zu trennen; hierzu wird die Samenflüssigkeit ultrazentrifugiert. Es folgen zwei Waschschritte, die Probe wird speziell aufbereitet, so dass die befruchtungsfähigen Spermien sich an der oberen Grenzschicht ablagern und isoliert werden können. Mit ultrasensitiven Methoden wird dann überprüft, ob kein Virus an den Samenzellen haftet. Bis das Testergebnis vorliegt, werden die Spermien tiefgefroren. Mit den so aufbereiteten Samenzellen wird die weibliche Eizelle im Reagenzglas (in-vitro-Fertilisation) oder endoskopisch in der Gebärmutter (intrauterine Insemination) befruchtet. Diese Methode wurde erstmals von dem Italiener Augusto Semprini 1989 angewendet und seither weiter verbessert. Frau HIV positiv, Mann HIV negativ Bei dieser Konstellation müssen zwei Ziele verfolgt werden: Der Mann und das zu gebärende Kind sollen vor einer HIV-Infektion geschützt werden. Die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit von der Mutter auf das Kind hängt von mehreren individuellen Faktoren ab: Viruslast der Mutter, bestehende Resistenzen gegen AZT oder Nevirapin, Begleiterkrankungen der Mutter, bestehende gynäkologische Erkrankungen. Von diesen Faktoren hängt ab, ob dem Paar zur Realisierung des Kinderwunsches geraten wird. Zum Schutz des Mannes wird der Befruchtungsvorgang ohne direkten Schleimhautkontakt durchgeführt: Samenflüssigkeit wird zum Zeitpunkt des Eisprungs aus dem umgedrehten Kondom in die Scheide entleert oder in eine Portiokappe oder Spritze gefüllt und in die Scheide appliziert. Fazit: Die Verfahren der assistierten Reproduktion werden zurzeit juristisch kontrovers diskutiert: Bei HIV-infizierten Frauen ist das Infektionsrisiko des un- oder neugeborenen Kindes insbesondere bei Einhaltung aller genannten Maßnahmen gering. Trotzdem bleibt ein Restrisiko, das sorgfältig überlegt werden muss. Es ist unklar, ob sich aus dem verbleibenden Infektionsrisiko Regressansprüche eines infizierten Kindes ergeben könnten. Es ist bei diesen Verfahren bisher kein HIV-negativer Partner, und damit auch kein auf diese Weise gezeugtes Kind infiziert worden. Die hier gemachten Angaben dienen lediglich der allgemeinen Information medizinischer Laien; keinesfalls ersetzen sie eine individuelle Beratung beim Frauenarzt oder Internisten. Sie sind auch nicht als Anleitung für die Herbeiführung einer Schwangerschaft zwischen betroffenen Paaren zu verstehen. Das persönliche ärztliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Ein Kinderwunsch ist von vielen Emotionen bestimmt. Insbesondere deshalb ist zu beachten, dass unbearbeitete Enttäuschungen oder Frustrationen über mögliche Misserfolge nicht dazu führen, dass Paare auf ungeschützten Geschlechtsverkehr ausweichen, sondern sich frühzeitig in psychosoziale Betreuung begeben.
20 Eylül 2008 Cumartesi
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